youngCaritas steckt dahinter! Mit der
Post-it-Aktion will youngCaritas auf
Armut in Südtirol aufmerksam machen.
Armut ist in Südtirol kaum sichtbar, aber es gibt sie. Die Post-it-Aktion von youngCaritas findet parallel zur
Caritas-Woche vom 7.-14. November 2010 statt, die am 14. November im Caritas-Sonntag mündet. Die Aktion mit an verschiedenen Orten geposteten gelben Zetteln und verschiedenen Sprüchen unterstreicht die Tatsache, dass jeder 6. Südtiroler an oder unter der relativen Armutsgrenze lebt.
Hier nun die Sprüche:

Camping, Zelt, Schlafsack, Übernachtung im Freien, Sternenhimmel - klingt nach einem spannenden Abenteuer. Aber wie ist es, wenn man jede Nacht gezwungen ist, in einem Schlafsack zu verbringen? Wenn man sich jede Nacht eine provisorische Bleibe suchen muss? Wenn man immer aus einer Tasche oder einem Rucksack leben muss, da man nicht "nach Hause" gehen kann? Obdachlosigkeit ist eine Tatsache. Südtirolweit sind an die 500 Menschen obdachlos.
Aufgrund von Stress und Hektik im Alltag kommt die zwischenmenschliche und emotionale Seite oft zu kurz. Persönliche Gefühle werden vom sozialen Umfeld nicht zugelassen oder nicht aufgefangen. Es herrscht vielfach Zeitarmut in Südtirols Familien. Gerade bei Kindern kann emotionale und Zeit-Armut gravierende Folgen für die Psyche und den Körper mit sich bringen, beinhaltet Mangel an Selbstwert und Selbstbewusstsein, die dann oft in der Aussage mündet "Ich bin doch nichts wert!"
Was tun, wenn das Geld nicht für den ganzen Monat reicht? Wenn ab der zweiten Hälfte des Monats kein Geld mehr übrig ist, um sich ausgewogen zu ernähren und Lebensmittel zu kaufen? Dann wird gegessen, was übrig geblieben oder billig ist - oftmals sind das nur Nudeln. Ohne Abwechslung, ohne Gemüse, Fleisch, Fisch oder Käse.

Nicht jede und jeder von uns hat die Möglichkeit, eine Ausbildung auf einer Universität zu besuchen. Bildung kostet Geld. Nicht nur in Ländern des Südens können Eltern ihren Kindern oft keine angemessene Ausbildung ermöglichen. Dabei ist Bildung eine Möglichkeit, dem Teufelskreis der Armut zu entkommen und im Leben verschiedene Chancen und Möglichkeiten zu haben.
Laut einer aktuellen Erhebung des Landesinstitutes für Statistik (wurde am 15.10.2010 veröffentlicht und hat 2008 als Bezugsjahr) liegt der Anteil der
Personen mit einem Haushaltseinkommen
unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle (10.257 Euro pro Jahr) in Südtirol bei
16,0% der Bevölkerung. Das sind 80.000 Südtirolerinnen und Südtiroler. Was hingegen die Haushalte betrifft, waren 2008 rund
36.000 Haushalte armutsgefährdet. Das entspricht
17,9% aller Südtiroler Haushalte. Besonders armutsgefährdet sind Arbeitslose oder Kranke, Menschen ohne ausreichende Ausbildung, kinderreiche Familien, getrennt Lebende und Opfer der Wirtschaftskrise.
Armut kann fast jeden treffen. Und: Armut ist vererblich.
Oftmals bleiben Kinder aus armen Haushalten auch als Erwachsene arm.
2010 ist das
Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung.
Armut hat bekanntlich viele Gesichter und gehört zu Recht in den Mittelpunkt der öffentlichen europäischen Diskussion in Europa gerückt.
23,5 Millionen Europäer leben mit weniger als 10 Euro am Tag, fast 20% der Europäer wohnen in nicht menschenwürdigen Behausungen und fast jeder zehnte Europäer muss sich mit Arbeitslosengeld über Wasser halten.
79 Millionen Personen in der Europäischen Union sind von Armut bedroht, das sind 16% der Bevölkerung.
Am stärksten von Armut betroffen sind Kinder (fast jedes fünfte Kind in Europa ist arm) und alte Menschen.
Armut - was dagegen?
Armut ist oft erst auf den zweiten Blick sichtbar. Arm sein in Südtirol heißt, viel weniger Geld zur Verfügung zu haben, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Und das bedeutet Einschränkungen in allen Lebensbereichen. Da sind beispielsweise Rentner, die sich die Reparatur ihrer Zahnprothese oder nötige gesundheitsfördernde Therapien nicht leisten können; Kinder, die am Klassenausflug nicht teilnehmen können, weil das Geld dafür fehlt; Jugendliche, die wegen Geldmangels auf sportliche und kulturelle Aktivitäten mit Gleichaltrigen verzichten müssen; junge Erwachsene, die nicht studieren können, weil ihre Eltern sie finanziell nicht unterstützen können. Arm sein in Südtirol ist nicht lebensbedrohlich, doch von ‚relativer Armut’ betroffene Menschen können mit den Lebensstandards ihrer Umgebung nicht mithalten. Das hat oft schwerwiegende Folgen: psychische Belastungen, Ängste, Scham, familiäre Probleme, Kontaktarmut, Vereinsamung und Depression. Von relativer Armut betroffene Haushalte müssen mit einem Einkommen von weniger als 60% des durchschnittlichen Einkommens vergleichbarer Haushalte auskommen.
Von Armut in Südtirol betroffen sind vor allem ältere Menschen mit nicht ausreichender Rente, Menschen mit mangelnder Berufsausbildung, chronisch kranke Menschen, Familien mit mehreren Kindern und nur einem (geringen) Einkommen, Alleinerziehende, EinwandererInnen und Menschen mit mehrfachen Belastungen.
Die Caritas Diözese Bozen-Brixen führt
mehr als zwanzig Fachdienste für Menschen in schwierigen Lebenssituationen: für ver- und überschuldete Menschen; für Menschen, die krank, im Sterben oder in Trauer sind; für Frauen und Männer, die auf der Straße leben und ein Obdach suchen; für Menschen, die sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis ein neues Leben aufbauen wollen; die eine warme Mahlzeit brauchen; die eine Sucht oder psychische Erkrankung überwinden wollen; die am Telefon ein offenes Ohr für ihre Probleme suchen; für Einwanderer und Flüchtlinge, die in Südtirol Schutz und Arbeit suchen. Die Zahl der Hilfesuchenden steigt ständig an.