Woher kommen die Flüchtlinge? Wie viele gibt es derzeit in Südtirol?
Was bedeutet es, ein Flüchtling zu sein? Das Thema Flüchtlinge wirft viele
Fragen und Unsicherheiten auf und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sucht den direkten Kontakt zu den Flüchtlingen. Dabei können sie uns Vieles vom Leben in verschiedenen Ländern berichten und uns helfen, ihre Situation besser zu verstehen.
Seit Sommer 2011 betreut die Flüchtlingsberatung der Caritas in Bozen und Meran Menschen, die aus den Unruhestaaten Tunesien und Libyen nach Italien geflohen sind. In Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsberatung hat youngCaritas einen 3-stündigen Workshop für Oberschulklassen zum
Thema „Flucht und Asyl“ ausgearbeitet. Ziel des Workshops ist es,
andere Realitäten kennenzulernen, sich mit dem Thema Flucht und Flüchtlinge auseinanderzusetzen und den
Austausch zwischen den Jugendlichen und den Flüchtlingen zu fördern. Der Workshop beinhaltet eine Stunde zur thematischen Vorbereitung, eine Stunde, in der
Flüchtlinge die Klasse besuchen und Stunde der Nachbereitung.
Zehn Mittel- und Oberschulklassen haben den youngCaritas-Workshop „Die andere Seite“ schon durchgeführt, die nächsten Schulbesuche sind schon in Vorbereitung.
Bei
Fragen oder Interesse können Sie sich gerne bei youngCaritas unter
0471 304 333 oder
info@youngcaritas.bz.it melden!
Bericht einer Schülerin der FOS Meran:
Mein Blick streift die Gäste, ich bin sehr neugierig und freue mich schon seit Tagen auf dieses Treffen.
Die
„lebende Bibliothek“, sich zu Menschen an den Tisch setzen und ihre bisherige Lebensgeschichte zu erfahren. Uns wird die
Möglichkeit geboten
zum Austausch, wir dürfen von fremden Schicksalen erfahren, verschiedensten Kulturen ein wenig näher zu kommen, um dadurch vielleicht sogar unser eigenes Leben mehr zu schätzen.
Schon im Vorbeigehen fällt mir eine freundlich wirkende junge Dame auf, ein Blick auf ihr Namensschild verrät mir, dass sie aus Marokko stammt. Meine Gedanken sind sofort mit
bunten Farben, wehenden Gewändern und Märkten auf welchen es nach allen möglichen Gewürzen duftet, gefüllt.
Ich beschließe weiter durch die Reihen zu schlendern, ich male mir aus, welches Schicksal wohl einige dieser Menschen ereilte. Von unserem Informationszettel erfahre ich, dass manche unserer Gäste
Flüchtlinge sind.
Sofort frage ich mich wie man sich wohl fühlen mag, wenn man sein Leben aufs Spiel setzt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben in einem fremden Land?
Als ich mich entschlossen habe mich zu Fatima, der Frau aus Marokko zu setzten, erfahre ich, dass das Leben als ausländischer Bürger, auch wenn man schon seit einigen Jahren hier lebt, noch immer durch Vorurteile und Misstrauen gekennzeichnet ist.
Wir erhalten Informationen, können all unsere Fragen klären und lernen sogar, wie man unsere Namen auf Arabisch schreibt.
Fatima freut sich, dass es Jugendliche gibt, welche sich dafür einsetzten, dass die gängigen,
fremdenfeindlichen Vorurteile verschwinden und sie hofft, dass solche Treffen, öfter stattfinden können.
Ein Blick auf die benachbarten Tische zeigt ausgelassene Gesprächsrunden, interessierte Gesichter und lächelnde Personen, es sieht so aus als wären in dieser kurzen Zeit schon Freundschaften geschlossen worden, welche auf gegenseitigem
Respekt und nicht auf lästigen Vorurteilen aufgebaut sind.
Schweren Herzens muss ich jetzt jedoch die Aula verlassen, denn es Läutet zum Stundenwechsel. Zuhause angekommen erzähle ich meiner Familie sofort von diesem Erlebnis und hoffe, dass ich bald wieder zu solch einem Treffen gehen darf.